2015–2030: 15 Jahre Softwaretest – ein persönlicher Rückblick

Kolumne von Richard Seidl

Ich kann mich noch gut erinnern, als mit dem Aufkommen sogenannter Mobile Apps und Devices das Ende der klassischen PCs in seiner damaligen Form eingeläutet wurde. Was heute richtig retro ist, wurde damals noch liebevoll Post-PC-Ära genannt. Keiner konnte sich die Bandbreite der Entwicklungen vorstellen, die sich daraus ergeben sollte. Von PC und Smartphone spricht heute außer im IT-History-Channel ja keiner mehr. Die Geräteklassen gehen fließend ineinander über, und so viele Dinge sind seitdem „intelligent“ geworden und kommunizieren miteinander. Nur den schon damals versprochenen intelligenten Kühlschrank, der selbst Lebensmittel bestellt, gibt es immer noch nicht. Dafür aber die vielfältigsten Arten von Software in unzähligen Produkten.

Dass ich mich damals der Qualität von Software verschrieben habe, war die richtige Entscheidung. Denn ohne Qualität hätte es nie diese Akzeptanz der Produkte durch die breite Masse gegeben. Dementsprechend viel wurde und wird hier investiert. Auch der Begriff der Qualität hat sich in all der Zeit gewandelt. Ging es dabei früher vielmehr um die pure Einhaltung der Anforderungen, ist es heute der Inbegriff der Nutzbarkeit und des Nutzererlebnisses. In dem Maße hat sich auch meine Arbeit verändert. Ich weiß noch: Früher saß ich oft Stunden an meinem Arbeitsplatz, habe Testdaten vorbereitet, Testfälle spezifiziert und diese dann zum Teil automatisiert und mich mit der Testumgebung herumgeschlagen. Heute ist das ganz anders. Die Automatisierungswerkzeuge nehmen mir über den ganzen Entwicklungsprozess hinweg so viel Routinearbeit ab, dass ich mich fast
vollständig auf den Entwurf neuer Testideen konzentrieren kann. Die Umsetzung dieser Testideen ist ja heute ein Kinderspiel und geht schnell von der Hand. Ich hätte damals nie erwartet, dass ich bei meiner Arbeit so viel Kreativität einsetzen kann. Glücklicherweise habe ich dann bald begonnen, mir Kreativtechniken anzueignen und mich in diese Richtung fortzubilden. Die Menge an möglichen Ausbildungen in diese Richtung ist ja auch stetig gewachsen.

Ja, die Arbeit ist dadurch deutlich anspruchsvoller geworden, aber auch das Rollenverständnis hat sich gewandelt. Früher, als „der Tester“ des Teams, habe ich mich meist um die System- oder Abnahmetests gekümmert. Heute begleite ich mit meiner Expertise alle Qualitätsmaßnahmen über den gesamten Projektverlauf hinweg. Die Teams haben die Notwendigkeit von Qualität verinnerlicht und arbeiten gerne daran. Kein Augenrollen mehr, wenn jemand Ideen zur Qualitätssteigerung vorschlägt. Die Eigenverantwortung dazu musste ich mir erst aneignen. Wo ich früher blind auf ein Testkonzept vertraute, bin ich jetzt wie die anderen selbst verantwortlich. Das gibt mir die Freiheit, Qualitätsprobleme aufzudecken und kreative Ideen zur Lösung zu entwickeln.

Zusammenfassend kann ich sagen: Meine Aufgaben als Tester sind durch die Komplexität der Systeme und die Automatisierung der einfachen Testaktivitäten deutlich anspruchsvoller, aber auch spannender geworden. In den vergangenen Jahren musste ich daher viel an meiner Kreativität und Offenheit arbeiten und oft den Blick über die etablierten Testmethoden hinaus wagen. Auch musste ich deutlich mehr Eigenverantwortung übernehmen und bis heute immer aktiver meinen Beitrag zu den Projekten liefern.

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