„Lebenslanges Lernen“

Artikel von Maik Nogens

Welche Angebote gibt es außerhalb von kostenpflichtigen Weiterbildungen?

Dieser Artikel legt den Fokus auf einen Aspekt, der sich nicht mit einer Qualität befasst, die oft gefordert wird, aber eine „schwammige“ Griffigkeit hat: „lebenslanges Lernen“.

Wenn man eine gewisse Routine und Stabilität in seiner Profession erreicht hat, kommt der Zeitpunkt, wo man aufblickt und sich fragt, was man tun kann, um weiterzukommen und sich weiterzubilden.

Tipp: Personen, die sich diese Frage nicht stellen, können an dieser Stelle den Artikel auslassen.

 

lebenslages Lernen

 

In Deutschland haben wir zum Glück genug Auswahlmöglichkeiten. Die Profession des „Software Testers“ hat sich subjektiv verbessert. Als ich um die 2000er Jahre anfing im Testumfeld zu arbeiten, wurde Software oft durch Nebenjobber getestet. Schon damals wurde Testen oft als Erstes geopfert, wenn eine Entscheidung zu treffen war, etwas aus Kostengründen wegzulassen. Ich glaube, die Professionalisierung des Berufsbilds des Testers ist auch durch Weiterbildung und die Angebote im Bereich der Weiterbildung erfolgt. Teilweise werden die Kosten der Weiterbildung durch Arbeitgeber getragen, doch wird sie auch oft eingespart.

Es bedarf Initiative und Motivation, sich um das eigene Wissen zu kümmern, Optionen zu finden und diese zu realisieren. Es gibt eine ganze Reihe von Optionen, die man selbst umsetzen kann (Bücher, Blogs, Online-Gemeinschaften, etc.). Auf diese wird in diesem Artikel nicht eingegangen.
Übersicht der Arten von Weiterbildung Eine kurze Darstellung, wie ich Weiterbildung hier unterscheide.

1. Kostenpflichtig

Beratungsfirmen, Trainingsanbieter und Coaches haben oft passende Workshops oder Trainings im Sortiment. Hier eine willkürliche Auswahl [Stand 23.03.2013]:

2. Kostenneutral

Es gibt Events und Initiativen, die nur die anfallenden Kosten auf die Teilnehmer verteilen.

  • AgileCoachCamp 2012
    3 Tage 150 Euro (Anreise exklusive)
  • MiagiDo Conference
    3 Tage ca. 300 Euro (Anreise exklusive)

3. Kostenfrei

Hier finden sich Events, wo die Kosten entweder durch Sponsoren oder durch die Organisatoren getragen werden.

  • PotsLightning 2012 1 Tag (Anreise exklusive)
  • GATE 2011 u. 2012 1 Tag (Anreise exklusive)
  • Roadshow TrinTe [Trends in Testing] 1 Tag (Anreise exklusive)
  • Treffen von Usergruppen, Stammtische etc.

Einstufung der Arten von Weiterbildung

Wenn man als regulärer Arbeitnehmer arbeitet, sind die Kosten, die im Bereich „1. Kostenpflichtig“ entstehen, zu hoch; gerade unter dem Gesichtspunkt, dass Arbeitgeber ihr Geld für Weiterbildung sehr bewusst ausgeben; sofern überhaupt noch Geld bereitsteht. Ich werde mich auf die anderen Bereiche konzentrieren; hier speziell die sogenannten Interessengemeinschaften (englisch: community events).

Recherche-Informationen

Dieses ist keine wissenschaftliche Studie oder gar eine komplette Übersicht. Ich bin seit 2010 im Umfeld dieser Gemeinschaften aktiv. Deshalb ist die Sicht eine subjektive; sie vermittelt aber eine gute Übersicht, und würde man diese mit weiteren Erfahrungsberichten zusammenfügen, würde sich der positive Eindruck noch verstärken. Für die Recherche wurde das Internet genutzt. Weiterhin wurde in XING recherchiert; in Deutschland ist das eine „große“, bekannte Plattform und es wird impliziert, dass sich dort auch entsprechend eine Verteilung der Gemeinschaften widerspiegelt. Die Recherche ist beispielhaft für SCRUM, Kanban, „ASQF“ und allgemein „Software Test“ durchgeführt worden.

lebenslanges Lernen für Softwaretester

Recherche-Ergebnisse

Kanban

Internet: Die „LimitedWIPSociety“ kann als weltweite Dachorganisation gesehen werden. Wenn man die eigenständigen Gruppen nach Anzahl pro Land sortiert, findet man Deutschland mit sieben Gruppen auf dem zweiten Platz im Ranking:

  • UNITED STATES – 9
  • GERMANY – 7
  • UNITED KINGDOM – 4
  • OTHERS (total) – 16

XING: Es wurden 32 Gruppen mit „Kanban“ im Namen gefunden. Die Gruppen hatten unterschiedliche Schwerpunkte, dadurch kann sich die Anzahl mit erklären.

Scrum

Internet: Es gibt einige Webseiten, die sich mit Scrum beschäftigen und für Deutschland relevant sind: www.Scrumtisch.org und sug-hh. wikispaces.com.

XING: 19 SCRUM Usergroups, 6 Scrumtische, 69 weitere mit Scrum im Titel.

ASQF

Internet: Das ASQF hat eine Webseite und ist durch ihre lange Existenz ein guter Startpunkt für die Recherche. Die Aktivitäten sind über Fachgruppen und deren untergeordnete Regionalgruppen organisiert.

Eine Übersicht:

  • Agilität   –   Automatisierung
  • Automotive   –   Maturity Models
  • Medizintechnik   –   Modellierung
  • Projektmanagement   –   Requirements Engineering
  • Safety   –   SOA/MW
  • Software-Test   –   User Assistance
  • Open Source/Linux   –   Java/XML

(Übersicht der 15 Fachgruppen des ASQF [Stand März 2013])

Es gibt 15 überregionale Fachgruppen. Die aktivsten Fachgruppen haben in jedem Bundesland Regionalgruppen.

XING: 15 Gruppen in ASQF, plus 5 weitere, eigenständige Gruppen mit ASQF Bezug.

Software Test

Internet: Es wurde keine Auswertung durchgeführt; das Trefferbild ist zu fragmentiert.

XING: 101 Gruppen mit „Software Test“.

Übersicht über Events

Im Rahmen der Recherche wurden viele Events in Deutschland gefunden. Dabei sind alle drei Bereiche (kostenpflichtig, kostenneutral, kostenfrei) vertreten. Es wird darauf verzichtet, diese im Detail darzustellen; es wird nur eine kurze Klassifikation dargestellt, damit die Leser bei Interesse selbstständig recherchieren.

  • Kostenpflichtig: Agile Testing Days (ATD), Agile Dev Practices (ADP), Days of Software Engineering (DoSe), XP Day, Software QS-Tag, iqnite, Medical Device Day.
  • Kostenneutral: German Agile Testing and Exploratory (GATE), PotsLightning, AgileCoachCamp.
  • Kostenfrei: TrinTe, SoCraMOB (Software Craftsmanship in MOB).

Aktive Regionen

Je nach Themenschwerpunkt und Größe gibt es in jedem Bundesland Events. Die Großstädte sind erwartungsgemäß (durch Faktoren wie Ballungsgebiet, Firmen, Einwohner) aktiver als Regionen, in denen eher ein zum Beispiel landwirtschaftliches Umfeld vorherrscht. Es können zudem regionale Schwerpunkte festgestellt werden. In Gegenden, wo zum Beispiel viele Automobilfirmen angesiedelt sind, ist das Interesse an Prozessthemen punktuell höher als in Gegenden, wo es viele Startup- und Webfirmen gibt; dort liegt der Schwerpunkt auf technologisch ausgerichteten Events.

Zusammenfassung

Das Konzept des „lebenslangen Lernens“ ist auch in der IT und im Umfeld der Softwareentwicklung angekommen. Gerade durch die schnelllebigen Informationen und die kurze Haltbarkeit von Wissen im technologischen Umfeld ist es wichtiger als zuvor, sich mit aufkommenden Trends und Technologien zu befassen und auch weiterhin das bestehende Fachwissen aktuell zu halten. Durch den aktiven Austausch mit Menschen, die im gleichen Umfeld arbeiten, teilt man Erfahrungen und praktisches Wissen, das den eigenen Wert erhöht. Zum einen gegenüber Arbeitgebern, aber auch im Selbstverständnis als „Software Professional“.

Usertreffen, aus der Gemeinschaft organisierte Events und Fachtreffen sind in Deutschland etwas, das wir „gut“ machen. Eine Weiterbildung, in die der Arbeitgeber „nur“ die Arbeitszeit des Arbeitnehmers investieren muss, legt die Hürde für die Akzeptanz dieser Art von Wissensvermittlung niedriger. Wenn die Reputation der Firma und der eigenen Fachkräfte zum Beispiel durch ein Raumsponsoring erhöht wird, hat das im Umkreis der Fachkräfte eine gute Ausstrahlungskraft und ist ein kostengünstiger Weg, sich als Arbeitgeber zu positionieren. Als Arbeitnehmer kann man das Vorankommen und Wissen in die eigenen Hände nehmen und sich nicht von wirtschaftlichen Aspekten treiben lassen. Die Investition in Wissen liegt bei jedem selbst. Deutschland ist hier auf einem guten Weg, gerade auch im internationalen Vergleich; wo es viele Länder mit Wissensarbeitern gibt, die hier noch wesentliche Defizite aufweisen.

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