Perfekte Test Professionals

von Dr. Alberto Vivenzio und Yves Körner

Als Testmanager müssen wir uns ständig mit der Frage beschäftigen, wie das eigene Testteam aussehen muss, um die anstehende Testphase erfolgreich abschließen zu können. Dabei ist nicht gemeint, ob die Kollegen blond oder brünett sind bzw. sonst einem optischen Merkmal entsprechen. Der Skill ist gemeint, also die Fähigkeiten des Testers.

In der heutigen Zeit wird viel von Managed Services gesprochen, einem Teilbereich des IT-Outsourcings, der aus der Entwicklung von IT-Diensten zu Services entstanden ist. Managed Services sind SLA-basierende Dienstleistungen zur Unterstützung des IT-Betriebs, die in der Regel über einen längeren Zeitraum erbracht werden. Diese Services werden verstärkt in der Qualitätssicherung von Software angeboten.

Daher muss ein Testmanager bereits im Vorfeld sowohl die Outsourcing-Strategie kennen als auch Projektbudget und -termine im Auge behalten. Er muss auf der einen Seite das Projekt betrachten, in dessen Rahmen die Software eingeführt wird, aber auch die spätere Wartung, die womöglich als Managed Service durch einen externen Dienstleister durchgeführt wird.

Dies wird nun kein Artikel über das Thema Outsourcing von Testservices, also von Managed Services. Es geht auch nicht darum, zu welchem Zeitpunkt es am sinnvollsten ist, Tests auszulagern.

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Der Testmanager

Fangen wir mal bei einer wichtigen Kernrolle an, beim Testmanager. Eigentlich könnten wir es uns einfach machen und die Schulungs- bzw. Zertifizierungsinhalte von der ISQI Website abschreiben, und damit hätten wir schon mal eine „standardisierte“ Skill-Beschreibung für den Testmanager. Das Gleiche könnten wir für alle anderen Rollen machen – und fertig wären wir mit unserem Artikel. Aber wissen wir dann tatsächlich, was einen guten Testmanager bzw. Test-Analysten ausmacht? Reicht wirklich die ISTQB-Zertifizierung? Um den geforderten Skill eines Testmanagers beurteilen zu können, muss man sich als Erstes seine operativen Aufgaben anschauen. Zunächst geht es um die Konzeption und Planung einer Testphase. Genauso ist es die Aufgabe vom Testmanager, das Testkonzept und die Testplanung zu erstellen.

Um den geforderten Skill eines Testmanagers beurteilen zu können, muss man sich als Erstes seine operativen Aufgaben anschauen. Zunächst geht es um die Konzeption und Planung einer Testphase. Genauso ist es die Aufgabe vom Testmanager, das Testkonzept und die Testplanung zu erstellen.

Er muss natürlich den Testfortschritt sowohl controllen als auch reporten. Genauso wie er sich darum kümmern muss, dass die Entwickler und Tester gut zusammenarbeiten. Doch dies sind alles Skills bzw. Fähigkeiten, die sich der Testmanager im Rahmen der einzelnen Zertifizierungen nebst Projekterfahrung erarbeiten kann. Aber das allein reicht nicht aus. Damit kann man Methoden und Werkzeuge anwenden und strukturiert Testphasen planen, durchführen und zum Abschluss bringen.

Was sind dann die eigentlichen Skills, die erforderlich sind?

Zunächst sollte der Testmanager Erfahrung im Geschäftsbereich haben, in dem das Projekt durchgeführt wird. Er muss somit verstehen, was für einen fachlichen Hintergrund die Software hat. Soll beispielsweise eine Software für Ratenkredite eingeführt werden, sollte der Testmanager zumindest die Grundzüge eines Ratenkredites kennen. Das allein wird schon erforderlich, um die Risikoanalyse vernünftig durchführen zu können. Damit wäre der erste zusätzliche Baustein zum ISTQB das Branchen-Know-how.

Darüber hinaus sollte er Erfahrung mit der einzusetzenden Software – sofern es sich um den Einsatz einer Standardsoftware handelt – haben, um die spezifischen Knackpunkte der Software zu kennen.

Aber das Wichtigste für einen Testmanager ist seine Fähigkeit als Dompteur. Er muss sozusagen Flöhe hüten können. Aus allen Richtungen prallen Anforderungen, Beschwerden, Probleme etc. auf ihn ein, und er muss dabei Ruhe bewahren und sich um die Klärung kümmern. Somit muss er auch ein sehr guter Troubleshooter sein.

Da es aber auch die Aufgabe des Testmanagers ist, sein Team bei Laune und stets motiviert zu halten, ist er gleichzeitig ein Psychologe.

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Der Tester

Aus Sicht des Auftraggebers ist der perfekte Tester der kostengünstige, mobile und flexible, externe Berufseinsteiger – als Massenware angeboten, engagiert und belastbar. Mögliche nachteilige Auswirkungen auf Projektergebnis und Kostenbelastung erschließen sich erst bei Betrachtung des Gesamtergebnisses. Ein qualitativ niedriger Test schlägt ähnlich einer unterplanten Business-Analyse-Phase direkt auf das Budget durch, da teure Fehlerkorrekturen in der Produktion die Folge sind. Werden Softwareprobleme aufgrund eines Kunden-Impacts auch noch öffentlich bekannt, sind die Kosten für Behebung, Entschädigungen und Wiederherstellung des Vertrauensverlustes schwer aufzurechnen.

Aus Projektsicht ist die Zeichnung des idealen Testers komplexer. Je mehr Skills ein Tester in sich vereint, je erfahrener und umfangreicher ausgebildet er ist, umso qualitativ hochwertiger ist das abgelieferte Testergebnis. Dabei unterscheidet sich der Skill nicht sehr von dem des Testmanagers. Der Tester agiert mehr operativ, muss trotzdem in den sogenannten Soft Skills ausgeprägt sein, da dies sich auf das Klima im Team und somit direkt auf die Leistung und letztendlich auf das Gesamtergebnis auswirkt.

Der Faktor Zeit ist ein Kostentreiber. Die Mehrzeit, die ein branchen- und/oder systemunerfahrener neutraler Tester braucht, um sich in die Themen einzuarbeiten, konkurriert mit dem preislich weniger attraktiven, dafür  erfahreneren Tester. Es ist jedoch nicht lediglich eine Budgetfrage, sondern abhängig von der Komplexität der zum Test anstehenden Softwareprodukte auch eine Frage des erfolgreichen Projektabschlusses.

In der Softwareprojektwelt wird der Tester gerne als austauschbare Massenware betrachtet, welche man bei Bedarf auch einfach schnell und unkompliziert aufstockt, um Zeitkritikalitäten auszugleichen.

Tatsächlich ist das Anerkennen des Fakts, dass Test ein ebenso anspruchsvoller Teil im Lebenszyklus eines Projektes ist wie Analyse und Design, eine wichtige und notwendige Erkenntnis.

Ist das Bewusstsein geweckt. kann sie losgehen – die Suche nach qualifizierten Kandidaten. Es gilt abzuwägen, welche Skills notwendig sind oder ob man, ohne den eigenen Anspruch nach unten korrigieren zu müssen, für den jeweils ausstehenden Test alle relevanten Fähigkeiten eines Testers erwartet.

Die Hauptqualitätsmerkmale eines perfekten Testers sind:

Branchen-Know-how:

Versteht der Tester die erhobenen und umgesetzten Fachanforderungen und deren Hintergründe und Zusammenhänge im Projektkontext? (Dies erweitert die Chancen, durch einen pfiffigen Tester neben der regulären Testfallabarbeitung elementare Fehler im Free-Style aufzudecken.)

System-Know-how:

Ist der Tester erfahren in den Funktionen der zu testenden Software, insofern es sich um eine Standardsoftware handelt?

(Die Beurteilung, wie komplex es ist, die Grundvoraussetzung für ein Fehlerszenario herzustellen, um die gewünschte Systemreaktion zu testen, und der anzusetzende Zeitrahmen sind sehr stark von der Systemkenntnis abhängig.)

Systemübergreifendes Know-how:

Anbindungsoptionen für Umsysteme/Schnittstellentests und komplexe E2E-Prozesse

Anforderungsmanagement/Tools:

Ist der Tester erfahren in der Wertung und Anwendung der Ergebnisse des Requirements Engineering und kann er mit den eingesetzten Tools umgehen?

Testerfahrung:

Erstellung von Testfällen, Abarbeitung, Reporting, Defect Management und Erkennen von Showstoppern sowie Anforderungen an eine Testumgebung, ebenso wie der Einstieg in ein neues Testprojekt durch Kenntnis projektüblicher Strukturen und Vorgehen sparen Zeit und Budget.

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Aber Achtung!

Damit ist es mit den Anforderungen an den Tester selbst allerdings nicht getan. Auch der beste Tester kann das Schlimmste nicht verhindern, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen:

  • Schlechte Anforderungsanalyse und Dokumentation können keinen eindeutigen Test ableiten.
  • Unsaubere Kommunikation und verzögerte Aktualisierung der Dokumentationen Richtung Test verfälschen gewünschte Ergebnisse.
  • Sterile Testumgebung, die zu weit entfernt von den Produktionsbedingungen ist, macht eine hochwertige E2E-Betrachtung unmöglich.
  • Fehlende Testbetreuung durch BusinessAnalysten und den Fachbereich führen zu Defect-Wellen und Fehlerbildern, welche u.U. tatsächliche Showstopper verwässern können.

Fazit:

Qualität zahlt sich immer aus. Eine gesunde Grundausstattung aus Qualitätstestern sollte sich jedes Projekt gönnen, um sicherer zum Erfolg zu kommen und den Endspurt nicht zu gefährden. Der Test ist nun mal die letzte Gelegenheit, Fehler vor Produktionseinsatz zu korrigieren.

Manchmal muss man auch trotz jeglicher vereinbarter Termine die Frage zulassen, ob eine um zwei Wochen verlängerte Testphase oder das Verschieben des Produktionstermins auf einen angepassten realistischen Termin mit sauberem Testergebnis nicht sinnvoller und am Ende „günstiger“ ist.

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