Übrigens …

Kolumne von Tanja Schmitz-Remberg und Werner Lieblang

Es war ein richtig schöner Tag. Zum ersten Mal seit Wochen versteckte sich die Sonne nicht hinter grauen Wolken und Jack konnte sein Lieblings-T-Shirt mal wieder anziehen – das mit der Aufschrift „I don’t make stupid mistakes, only very clever ones”:

Lisa saß auf der Veranda und trank etwas, das wie grüner Tee aussah.

“Hi”, sagte sie, “wie war’s?”

“Ein toller Tag.” Jack schaute sich suchend nach einem Stuhl um. “Wir haben endlich den Webshop-Auftrag der Elisa GmbH fertig bekommen. Elf Monate harte Arbeit sind erledigt – noch ein paar abschließende Tests und das ist es dann.“

“Klingt ja gut! Ich erinnere mich, ihr hattet doch richtige Probleme am Anfang. Habt ihr nicht für die Planung allein schon sechs Wochen gebraucht?”

„Nein, nicht für die Planung – für die Spe-zi-fikat-ion!“ Jack sprach jede Silbe überdeutlich aus; um den Unterscheid zu betonen. „Das ist das Wichtigste bei der Software-Entwicklung: Wir schreiben auf, was der Webshop machen soll und wie er aussehen soll, und dann setzen wir es so um. Ganz einfach.“

“Also dann bist Du zufrieden und der Kunde auch. Wie schön!“ Lisa schaute Jack direkt an. Mit ihrer Erfahrung als Psychologin konnte sie an seiner Stimme erkennen, dass etwas nicht stimmte.

“Nicht wirklich …” Jack wich ihrem Blick aus. “Der Kunde ist eigentlich nicht zufrieden. Er sagt, sein Webshop ist nicht so gut wie Webshops anderer Firmen. Die sehen meist besser aus und können mehr!“

“Aber das ist wirklich nicht unser Problem!” sagte Jack trotzig. “Die haben’s bestellt, wir haben es genauso gebaut! Wenn die ein rotes Auto bestellen und dann ein grünes wollen, kann ich nur sagen: Pech gehabt!“

Lisa griff ihre Tasse mit beiden Händen und nahm behutsam einen kleinen Schluck. Sie wusste, es würde schwierig werden Jack zu zeigen, wie falsch er liegt.

“Übrigens, wo wir gerade über Farbe reden: Ich habe die Wandfarbe besorgt, so dass wir am Samstag anfangen können, die Küche neu zu streichen. Die hat es wirklich nötig.” Lisa reicht Jack zwei teetassengroße Dosen, die auf dem Hocker neben ihr standen.

Überrascht schaute Jack sie an und lachte dann. „Damit willst Du die Küche streichen? Alle vier Wände und die Decke?“ Er nahm die Dosen in die Hand. Cappucino stand auf der einen, Dark Sierra auf der anderen. Ja, das waren die beiden Farbtöne, für die sie sich entschieden hatten. Nur die Aufteilung war noch unklar. Alles dunkel und eine helle Wand, oder anders herum?

Lisa lächelte und schaute auf ihre Tasse. „Ich dachte, wir versuchen mal eine Wand in Cappu und eine in Sierra. Dafür sollten die kleinen Dosen reichen. Wir sehen dann, wie es an der Wand aussieht und können leichter entscheiden, welches Farbschema wir nehmen. Dann kaufen wir die restliche Farbe entsprechend. Was meinst du?“

“Das ist mal ’ne gute Idee“, sagte Jack, aber er dachte: Hätte ich auch drauf kommen können! So konnten sie sehen, wie die Farbe an der Wand aussah und nicht nur in der Dose. Und man musste nicht befürchten, die falsche Farbe gekauft zu haben.

Er setzte sich neben Lisa und goss sich einen Tee ein. Vielleicht konnte er Lisas Idee bei sich am Arbeitsplatz nutzen. Der Serverraum müsste dringend neu gestrichen werden.

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