Übrigens …

Kolumne von Tanja Schmitz-Remberg und Werner Lieblang

Matschewetter, um den Gefrierpunkt herum. Jack stromerte nachdenklich nach Hause, der Tag saß ihm im Nacken. Er war froh, dass seine Mitbewohnerin Lisa noch nicht da war. So konnte er sich ohne Nachfragen ein Glas Rotwein gönnen und bei „Herr der Ringe“ entspannen. Das würde helfen – nur ja nicht reden, davon hatte er heute ja definitiv genug gehabt. Jetzt brauchte er Ruhe.

Irgendwann wachte er auf – Gandalf rief gerade „Flieht, ihr Narren!“ Teeduft drang ihm in die Nase, das musste Yogi sein. Lisa war zurück und saß ihm gegenüber, bereits im Schlafanzug. Sie reichte ihm eine Tasse Tee. „Hallo – du scheinst ja echt k.o. gewesen zu sein. Alles ok?“ Jack rappelte sich auf, ein interessanter Kissenabdruck zierte seine rechte Gesichtshälfte. „Ja, ja, alles ok.“ Lisa sagte nichts und sah ihn wieder mal mit ihrem typischen „Ich glaub dir kein Wort“-Blick an. Oh, wie er diesen hasste! Und noch schlimmer war, dass sie immer genau wusste, wenn ihn etwas bewegte – leugnen hatte bei ihr keinen Zweck.

„Es war ein total unproduktiver Tag heute“, brach es aus ihm hervor. „Sarah hat das Standup-Meeting komplett gesprengt, obwohl sie die Regeln schon lange kennt! Hat sich beschwert, dass sie sich von uns Entwicklern nicht unterstützt fühlt. So ein Blödsinn. Sie hat ihre eigenen Aufgaben abzuarbeiten, die wir für den Sprint benötigen, und damit basta. Hat was von Pairing, mehr Teamzusammenhalt und geteilter Verantwortung gebrabbelt. War voll klar, dass sie gerade erst von der CAT-Schulung kam. Lauter Theorie, die in der Praxis nur die Arbeit aufhält.“
„Ja, aber das ist doch gut, wenn sie ihre Wünsche nach Unterstützung so klar äußern kann und auch noch konstruktiv Ideen einbringt, wie diese hilfreich umzusetzen wären“, räumte Lisa ruhig ein. Doch Jack hatte sich mittlerweile in Rage geredet. „Wo kommen wir denn da hin, wenn wir wie Erstklässler in Tischgruppen zusammenhocken. Vielleicht muss Sarah einfach auch kapieren, dass sie mit uns nicht mithalten kann, und ihre Konsequenzen daraus ziehen …“

Lisa stand auf, um Honig für den Tee zu holen. „Übrigens, Samstag kommen Jacqui und Steve!“ rief sie aus der Küche. „Wir kochen und wollen anschließend Siedler spielen. Bist du dabei?“ Jack zögerte: „Ich kann das Spiel noch nicht so gut. Hab’s erst einmal gespielt und fand’s noch ein wenig kompliziert.“ Lisa drehte den Honiglöffel und schaute Jack an: „Das macht nichts. Es ist zwar definitiv am spannendsten, wenn alle auf einem ähnlichen Niveau spielen, aber das kriegen wir hin. Wir könnten die ersten Runden offen und transparent spielen, uns quasi in die Karten gucken lassen. Dabei kannst du dann einiges an Strategie beobachten und üben. Und ab der dritten Runde wird’s dann ernst. So profitieren wir alle davon und können uns auf einer Ebene gegenüber stehen – dann macht es erst richtig Spaß!“

Jack nippte an seinem Yogi, sein Gesicht war mittlerweile wieder geglättet. Eigentlich fühlte er sich in der Rolle des Anfängers nicht sonderlich wohl. Besonders nicht, wenn Jacqui und Steve dabei waren, die ihn möglicherweise für langsam und ungeschickt hielten. Doch er erinnerte sich auch an das Vergnügen, solch spielerische Abende mit Freunden zu verbringen. „Ok, aber dann gib mir bitte Freitagabend noch einmal eine kurze Einführung, ja?“ bat Jack. Lisa nickte. „Klar. Lass uns Freitag am Tisch nochmal gemeinsam die Regeln durchgehen.“

Jack lehnte sich zurück und schloss die Augen. Er mochte Lisa und ihre einfachen Problemlösungen. Er entschloss sich, ihre Strategie auf seinen Job anzuwenden. Morgen würde er sich mit Sarah zusammensetzen und ihr mal seine Ansicht der agilen Spielregeln erklären.

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